Sponsoren

Partner

Kongressorganisation

Mitteldeutscher Immobilienkongress 2015

Kongressthemen

Flüchtlingsstrom und Aussterben der Dörfer im Fokus

Leipzig. 200 Führungskräfte der mitteldeutschen Immobilienwirtschaft diskutierten beim 13. Mitteldeutschen Immobilienkongress (MIK) die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen sowie die aktuellen Probleme der Stadt-Land-Entwicklung. Im Ergebnis formulieren die Verbände klare Forderungen an die Politik.

Hilfsbereitschaft braucht Mittel

Flüchtlinge aus Krisenregionen brauchen unsere Hilfe. Dazu bekennt sich die mitteldeutsche Immobilienwirtschaft auf dem 13. Mitteldeutschen Immobilienkongress in Leipzig. Doch die Hilfsbereitschaft braucht Mittel. Aktuell steht die Branche vor der Herausforderung, eine steigende Zahl an Flüchtlingen und Asylbewerbern menschenwürdig unterzubringen und gleichzeitig bestehende Nachbarschaftsstrukturen zu berücksichtigen. Quantitativ und qualitativ geht dies an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Wohnungsunternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Zahlen: Sachsen vermittelte vergangenes Jahr 12.335 Asylbewerbern und Ausreisepflichtigen Wohnraum – 2007 waren es noch 5.773 (Quelle: Sächsisches Staatsministerium des Innern). Durch das Land Sachsen-Anhalt wurden von Januar bis November 2014 insgesamt 8.224 Asylbewerber und Geduldete (Quelle: AZR) untergebracht (2007 insgesamt: 4.371). In Thüringen galt dies für 6.135 Betroffene. Auch die Zahl der Asylanträge stieg in diesem Zeitraum: In Thüringen verzehnfachte sich zwischen 2007 und 2014 die Zahl der Asylanträge von 517 auf 5.462 (Stand: 07.12.14). Gleiches gilt für Sachsen-Anhalt, wo die Anzahl der Asylerstantragsteller in diesem Zeitraum von 585 auf 6.618 anstieg. In Sachsen kletterte die Summe der Anträge von 1.475 auf 6.396 (Quellen: Innenministerien der Länder).

All diese Menschen benötigen Raum zum Leben.

Die mitteldeutsche Wohnungswirtschaft will hier keine Lippenbekenntnisse mehr. Denn allein schafft sie es nicht, größere Gruppen von Asylbewerbern ohne hohe Reibungsverluste zu integrieren. Massenunterkünfte sind hier die schlechteste aller Lösungen. Klar muss dabei sein: Wenn Politik und Gesellschaft sich dazu bekennen, Flüchtlinge aufzunehmen, müssen auch passende Rahmenbedingungen für die Unternehmen geschaffen werden, die den Wohnraum stellen.

Die Verbände fordern deshalb:

  • die bevorzugte Unterbringung in dezentralen Unterkünften. Dies fördert nicht nur für die Integration, sondern ist oftmals auch kostengünstiger, da bauliche Investitionen, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und Aufwendungen für die Betreibung von Massenunterkünften weitestgehend wegfallen.
  • Die Unterbringung in Einzelunterkünften sollte im Zweifelsfall Familien vorbehalten sein, um vor allem den Kindern gute Voraussetzungen für eine ungestörte Entwicklung zu bieten, sowie Personen, die eine Arbeit aufnehmen konnten.
  • Langfristige Konzepte für die soziale Betreuung der Betroffenen mit dem Ziel der Integration. Damit verbunden ist die Festlegung eines verlässlichen Schlüssels für die Anzahl der Flüchtlinge, die ein Sozialarbeiter betreut.
  • Die Klärung der Mietpreisgestaltung für Flüchtlingsunterkünfte in allen Kommunen. Wohnungsunternehmen, die Wohnungen zur Verfügung stellen, haben mindestens Anspruch auf die marktübliche Grundmiete sowie die tatsächlich angefallenen Betriebskosten. Dazu sind angemessene Betriebs- und Instandhaltungskostenvorauszahlungen zu leisten.
  • die Klärung von Rechtsfragen wie z.B.:
  • Steigt der Versicherungsschutz der Wohngebäude bei einer Flüchtlingsunterbringung?
  • Wer unterschreibt den Mietvertrag?
  • Wer übernimmt die Kosten für einen erhöhten Instandsetzungs-/Instandhaltungsbedarf nach häufig wechselnder Bewohnerschaft?
  • Eine verbesserte Kommunikation mit allen Beteiligten – der Kommune, den Wohlfahrtsverbänden, den Anwohnern und den Flüchtlingen selbst –um individuelle Lösungen zu finden.

 

Die zweite Leerstandswelle steht bevor

Sind Schwarmstädte und sterbende Dörfer unsere Zukunft?

Politik und Wohnungswirtschaft müssen zusammenarbeiten, um Probleme in Städten und Gemeinden zu lösen – dies ist das Fazit des zweiten Schwerpunktes auf dem 13. Mitteldeutschen Immobilienkongress.

Mitteldeutschland befindet sich in einer Periode, in der einige wenige Schwarmstädte wie Dresden, Jena und Leipzig ein rasantes Wachstum durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten erleben. Leerstände nehmen dort aktuell ab. Im Gegenzug aber kämpfen weite Regionen im Umland von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit Überalterung und Schrumpfung – und wieder ansteigenden Leerständen.

Die zweite Leerstandswelle steht bevor

So verringert sich in einigen Regionen Thüringens die Einwohnerzahl in den nächsten 10 bis 15 Jahren um bis zum 30 Prozent. In Sachsen geht die Bevölkerungszahl um 15,5 Prozent zurück, in Sachsen-Anhalt um rund 19 Prozent. Im gleichen Zeitraum klettert das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Prognosen zufolge soll 2025 fast jeder zehnte Einwohner in Sachsen 80 Jahre und älter sein (Quelle: demografie.sachsen.de).

Aufgrund dieser Entwicklung erwarten die Immobilienverbände bis 2020 eine zweite Leerstandswelle in vielen Landkreisen, die nur durch Zuwanderung und Abriss behoben werden kann. Die Folgen des demografischen Wandels benötigen zudem entsprechende Maßnahmen wie z. B. neue Wohnformen für Menschen mit Pflegebedürftigkeit und Behinderungen entsprechend dem Grundsatz „Ambulant vor Stationär“, um ein Leben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Die Gewährleistung selbstbestimmten, altersgerechten Wohnens ist ein wesentlicher Beitrag zur Stabilisierung der demografischen Entwicklung im ländlichen Raum.

Politik behindert Wohnungsbau

Der Boom in den großen Kommunen führt zur Devise: Bauen, Bauen, Bauen. Doch die Politik greift mit einer Vielzahl von Auflagen beim Bau und Betrieb von Immobilien ein und schraubt so die Kosten immer mehr in die Höhe. Eine Refinanzierung über die Mieten wird mit der sogenannten „Mietpreisbremse“ erschwert. Dieser entsteht nur durch bezahlbaren Neubau und sinnvolle Anreize für Modernisierung und Sanierung im Bestand. Eine Mietpreisbremse bringt außer viel Rechtsunsicherheit und Bürokratie gerade in Wachstumsmetropolen nur wenig Nutzen. Dazu kommt: Hohe Gesamtmieten, wie sie die Mietpreisbremse verhindern soll, kommen selten durch die Nettokaltmiete, sondern immer häufiger durch steigende Energiepreise zustande. Hier fordern wir deshalb statt einer Mietpreisbremse eine Energiepreisbremse.

Unter den sich abzeichnenden Veränderungen können Wohnungsunternehmen kaum noch wirtschaftlich arbeiten. Wenn alles bleibt wie bisher, haben sie keine Chance, dauerhaft günstige Mieten bei hohen Wohnstandards anzubieten – ohne die Stadt- und Regionalentwicklung zu gefährden.

Statements der Verbände

Statement des VSWG, Vorstand Dr. Axel Viehweger

Beim Thema Wohnen kulminiert sehr vieles. Die Wohnung soll das Klima retten, Gesundheitsstandort sein, Pflegeheime ersetzen und dies alles bei möglichst sinkenden Mieten. Um diese komplexe Problematik zu lösen, ist eine stärkere Vernetzung der einzelnen Ressorts nötig, um ressortübergreifend Kompromisse zu finden, die nicht zwingend zusätzliches Geld erfordern, sondern lediglich ein Wollen. Nur mit Ehrlichkeit im Umgang, dezentralen Lösungen im ländlichen Raum sowie der ganzheitlichen Betrachtung von Quartieren können die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden, denn die Wohnungswirtschaft ist eine Branche, die für 10 bis 15 Jahre im Voraus plant und immobil ist“, so Dr. Axel Viehweger, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG).

 

Statement des IVD Mitte-Ost, Verbandsvorsitzender Karl-Heinz Weiss

In den Metropolen Mitteldeutschlands sind in den begehrten Lagen nicht immer ausreichend Angebote für die Mieter vorhanden. Dass dies zu steigenden Preisen führt und man bei der Wohnungssuche die professionelle Hilfe eines Maklers in Anspruch nehmen muss, erschließt sich nach den Gesetzen der Marktwirtschaft von selbst. Die Politik reagiert mit der Mietpreisbremse, um die ansteigenden Preise zu verhindern und versucht mit dem Bestellerprinzip, die Maklerkosten einseitig auf den Wohnungseigentümer abzuwälzen. Das funktioniert nicht. Nur die attraktive Förderung des Wohnungsneubaus und die freie Inanspruchnahme eines professionellen Maklers führen zu einem fairen Miteinander aller Akteure. Wenn die Politik Mieter und Vermieter gegeneinander aufbringt, löst sie keine Probleme, sondern schafft neue.

 

Statement BFW Landesverband Mitteldeutschland e.V., Vorsitzender Frank Müller

Steigender Wohnraumbedarf kann nur gedeckt werden, wenn die Kosten dafür angemessen sind. Unter den aktuellen Bedingungen aber ist dies nicht möglich. Der mächtigste Preistreiber sind die staatlichen Anforderungen an energieeffizientes Bauen und Sanieren – wie z.B. durch die Energieeinsparverordnung EnEV 2014. Gestiegene ordnungsrechtliche Anforderungen und höhere qualitative Bauausführungen haben dazu geführt, dass die Baukosten in 14 Jahren um 71 % kletterten. Außerdem gab es ein Plus an 29,8 % bei den Materialkosten und 28,6 % bei den Baukosten. Im frei finanzierten Markt kann durch diese hohen Kosten heute im Schnitt kaum unter 12,00 €/m² Miete gebaut werde. Das entspricht aber nicht den finanziellen Verhältnissen der meisten Menschen in Mitteldeutschland. Um Wohnungsbau wieder bezahlbar zu machen, fordern wir die Auswirkungen der Gesetze und DIN-Normen im Hinblick auf Kosten und Nutzen zu überprüfen. Eine effiziente Förderung des Wohnungsbaus wäre auch die Wiedereinführung der degressiven Absetzung für Abnutzung (AfA).

 

Statement Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. und des ptw Prüfungsverband Thüringer Wohnungsunternehmen e.V., Verbandsdirektorin Constanze Victor

Thüringens Wohnungsmarkt ist differenziert: In einzelnen Regionen, wie z.B. im Altenburger Land, beträgt der Leerstand mehr als 12 %. Gleichzeitig droht 70 % der Thüringer Kommunen die Überalterung. Die immer weniger werdenden Jugendlichen Thüringens ballen sich als „Schwarm“ in den Städten Erfurt, Jena und Weimar. Hier herrscht partiell erhöhte Nachfrage. Mit zweifelhaften Instrumenten wie der Mietpreisbremse wird dies nicht zu lösen sein. Ein wirksames Instrument ist dafür das „Bündnis für gutes Wohnen“. Und auch politisch gewünschte, aber nicht refinanzierbare Standards im Neubau können nur über Förderung wirtschaftlich gestaltet werden. Ressortübergreifend müssen wir dafür sorgen, dass Thüringen nicht von einer 2. Leerstandswelle überrollt wird. Diesen Herausforderungen werden wir uns stellen müssen, denn Wohnungen sind mehr als ein Wirtschaftsgut – sie sind eines der wichtigsten Sozialgüter.

 

Statement vdw Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft  e. V., Rainer Seifert, Verbandsdirektor

Dem Leerstand auf dem Land ist ein besonderes Augenmerk zu widmen“, so Rainer Seifert, Verbandsdirektor des vdw Sachsen. Infrastruktur, Mobilität und Wohnqualität sind deutlich zu verbessern. Diese Themen beinhalten eine gezielte Ansprache an die Politik ein klares Statement abzugeben. Die Finanzierung derartiger Maßnahmen kann nur in Form von Zuschüssen erfolgen, um urbane Räume zu schaffen. Zinsverbilligte Darlehen sind dagegen keine Alternative.